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Am Sonntag, 29. September, um 5:45 Uhr klingelt der Wecker... Unser Marathon Tag beginnt... Wir 6 All Blacks Marathon Läufer, Hardy, Pädi, Michu, Hugo, Teresa und ich treffen uns um 6:00 zum Frühstück in unserem Hotel. Alle sind fröhlich, aufgeregt, gespannt, motiviert und voller positiver Energie. Das Wetter ist perfekt. Wir haben riesiges Glück. Es ist fast wolkenlos und ziemlich warm (für diese Jahreszeit und für Schottland), ca 14 Grad (empfunden habe ich es wärmer). Um ca 7:00 Uhr marschieren wir Richtung Sammelplatz los, wo X Cars bereit stehen, welche uns und ca 6'000 andere Läufer zum Start chauffieren. Die Busfahrt führt auf der anderen Seite von der Marathon Strecke, entlang des Loch Ness. Die Fahrt ist kurvenreich, aber sehr schön. Ein Bus hinter dem anderen fährt Richtung Start. Nach ca 1 Std. 40 erreichen wir den Ort, wo wir dann den Marathon starten werden. Es ist im 'nirgendwo'. Kein Haus weit und breit. Nur diese Strasse und die Natur. Weiter vorne sehen wir den Startbogen. Dann steigen die 6'000 Läufer aus X Bussen und die Strasse füllt sich mit den Läufer in den farbigen Lauftenus. Eine Schottische Musikgruppe spielt bald darauf mit wunderschönen 'Dudelsack' Klängen. Der erste Hühnerhautmoment ist da... Wir erledigen dann noch die letzten Vorbereitungen, checken zum x -ten mal ob alles ok ist, ob wir alles wo wir brauchen an uns tragen, ob wir ein Stirnband brauchen oder nicht, und und..., dann verschwinden wir hinter die Tannen um noch die Blase zu leeren was einen nicht ganz einfachen Fussmarsch über die feuchten tiefen Moos Felder bedeutet. Ich reihe mich mit Teresa anfangs der 2. Hälfte der Läuferschlange ein. 'Unsere' Männer reihen sich weiter vorne ein, da sie ja viel schneller sind als wir zwei. Um 10:00 Uhr starten wir unsere 42,195 km lange 'Reise' vom nirgendwo bis Inverness... Der Start ist ein sehr besonderes Erlebnis. In der Natur, in den Highlands, im nirgendwo starten wir unseren Loch Ness Marathon, begleitet von diesen Schottischen Musiker mit den Dudelsäcken. Wow ist das schön und emotional. Der 2. Hühnerhaut Moment ist da... Die ersten 10 km renne ich in einem für mich 'flotten' Tempo. Ich fühle mich super und geniesse es sehr Teil von diesem schönen Marathon sein zu dürfen...was für ein Geschenk! Für mich alles andere als selbstverständlich 🏃 🙏 Von Anfang an war ich mir natürlich bewusst, dass ich wegen meinen Muskulären und div anderen 'Bausteinen' im Becken und Gesässbereich das Tempo von den ersten 10 km nicht immer halten kann. Auch fehlt mir wegen diesen Problemen das spezifische Marathon Training. Der Jungfrau Marathon liegt auch erst 3 Wochen zurück. Deshalb rechne ich mit einer Zielzeit von 5:30 bis 6 Std. Die Strecke führt einer Landstrasse, entlang des Loch Ness, durch schöne Natur und selten an Häuser vorbei. Es ist ein Strassenmarathon, deshalb ist der Untergrund immer Asphalt. Ich teile mir den Marathon im Kopf in Teile ein. Deshalb erreiche ich unterwegs immer wieder kleine Ziele, dies bringt mir mental sehr viel. Ab und zu wage ich Schluckweise etwas Powergel zu mir zu nehmen. Ich riskiere zwar Magenkrämpfe aber ich kann unmöglich 42 km ohne Energie durchstehen. Lieber Krämpfe als keine Energie denke ich. Bald darauf meldet sich mein Magen.
Nicht mal diese wenige Menge toleriert er. Ich bekomme Krämpfe und der Bauch fühlt sich an wie wenn ein Stein drinnen wäre. Ich versuche es zu ignorieren und renne meinen Traum weiter. Die Muskelansätze und all meine 'Bausteine' machen sich auch bemerkbar. Sonst geht es mir gut. Ich konzentriere mich auf mich, meine Schritte, meine Pace und auf die Strecke, beobachte andere Läufer und geniesse die Marathon-Stimmung mit allem wo dazu gehört. Unterwegs denke ich, dass der ganz besondere Moment wo ich die Ziellinie passieren werde, bald wahr wird, aber eigentlich ist er noch in weiter Ferne. Es ist ein langer Weg und es kommt mir mit jedem km noch länger vor, weil ich immer etwas müder werde (Beine) und ich immer ein bisschen langsamer unterwegs bin. Ein toller Moment für den Kopf (mental) ist der Moment wo ich die Hälfte hinter mir habe und dann natürlich bei und ab km 30. Während dem Marathon sind nirgends Musiker oder sonstige Animation. Ich, die Natur, einige Schafe, Kühe, Pferde, Alpakas, viele Läufer und ihr Keuchen, zum Teil komisches Husten und das leise stapfen der Schritte der Läufer und von mir, mein 'Radio' im Kopf (Gedanken) und wenige Zuschauer sind meine 'Unterhaltung'. Ab ca km 35 sehe ich die ersten Häuser von Inverness. Das Ziel ist schon fast in Griffnähe, aber es kommen noch die härtesten 7 km.... Je näher ich dem Stadtzentrum komme, desto mehr Zuschauer hat es. Diese rufenden Stimmen helfen mir sehr. Ich habe meine eigene Peitsche, denn ich möchte es noch unter 5 Stunden schaffen. Ich habe Angst, dass die Kräfte mich im stich lassen, aber ich jage mich... Endlich km 40... es könnte reichen für eine 4 Stunden Zeit... Ich komme auf eine Strasse wo mir mittlerweile bekannt ist und ich im Kopf diese 2 km durchgehen kann. Es sind endlose sehr harte km. Ich freue mich zwar innerlich schon sehr dass ich es bald geschafft habe, aber diese 2 km sind verdammt hart. Mit den letzten Kräften aber so schnell wie möglich, schleppe ich mich zum Ziel. Nach 4 Std 52 Minuten passiere ich die Ziellinie... Es ist geschafft! Ich bin Finisherin vom Loch Ness Marathon! Wow! Es ist so überwältigend und so wunderschön dieses Gefühl wenn man im Ziel ist. Stolz, Freude, Glück, Erschöpfung,... alles geht durch den Bauch, Herz und Kopf. Unbeschreiblich ist das! Ein paar Schritte weiter vorne darf ich mir die wunderschöne Medaille umhängen lassen. Ein weiterer unbeschreiblicher Moment!!! Ich feiere für mich meinen 'Erfolg'.... Etwas später treffe ich 'unsere' Männer in der nähe vom Ziel. Sie sind schon einen Moment lang im Ziel. Vor allem Hardy, er hat mit einer sensationell starken Zeit unter 3 Stunden gefinisht! Wahnsinn!! Sie gratulieren mir alle und ich ihnen. Da gehört natürlich eine herzliche Umarmung dazu. Das ist ein weiterer wunderschöner Moment. So schön, dass wir das zusammen erleben dürfen. Wir empfangen dann alle noch Teresa, welche diesen Marathon auch mit Bravour und nur kurz nach mir gefinisht hat. Nach etwas Verweilen im Zielgelände, Gepäck abholen, warme Suppe 'fassen' und essen, Gruppen und Einzel-Fotosession,... usw marschieren wir mit steifen und zwickenden Beinen zum Hotel. Ausruhen, Duschen, Schlafen muss jetzt sein und am Abend treffen wir uns zum gemeinsamen und sehr verdienten Abendessen. Es gibt viel zu erzählen. Jeder hat den Marathon anders erlebt, aber jeder hat die Ziellinie gut und gesund passiert und jeder hat die Medaille hoch verdient! Spät Abends geht dann ein sehr besonderer strenger aber wunderschöner Tag zu ende... Dankbar, glücklich und müde gehen wir ins Bett... km, 271 Aufstieg, 572 m Abstieg
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